1334 – die erste schriftliche Erwähnung

Reußen wird erstmals, nach dem Dresdner Historiker Otto Mörtsch, schriftlich im Zusammenhang mit dem als Zeuge in Seußlitz aufgetretenen Guntherus de Reuß  vom Rittersitz auf dem heutigen Gebiet Oberreußen erwähnt. Eine Abstammung zu den Vögten von Weida, Gera und Plauen, der Familie Reuß des 12. Jhd. ist nicht nachweisbar. Vogt Heinrich der Jüngere, soll mit der Tochter einer russischen Fürstin verheiratet gewesen sein. Aus seinem Beinamen „der Russ“ wurde der Familienname Reuß und später das Kleinfürstentum in Greiz, das in der späteren deutschen und sächsischen Geschichte noch eine Rolle spielen wird. Der slawische Name Reus ist auch die altdeutsche Bezeichnung für Russe, Reußen- Russen, der Fuchs oder Rote.  Der Spekulation über den Namen sind damit „Tür und Tor“ geöffnet. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Guntherus von Reußen ein Ritter  (agri milites) oder einer aus dem Fußvolk dienender Freibauer (milites agri) war. Es ist vermutlich auf die Abstammung des belehnten Ritters zurückzuführen, das Reußen kein Rittergut geworden ist.

Mit der deutschen Besiedlung der Gegend wurde auch Reußen als Lehen vergeben. Es war aber nicht die schon bestehende slawische Siedlung, das heutige Unterreußen gemeint sondern das heutige Oberreußen. Es gehörte zum Rittergut Groben unter Mühlbergscher Herrschaft von König Karl dem IV. (4). Rittergüter durften nur von Adligen betrieben werden und mussten eine bestimmte Größe haben. Es deutet alles darauf hin, dass die Familie Reuß weder einen Adelstitel noch die erforderliche Landgröße hatte. Sehr wahrscheinlicher ist, dass das Lehen ein „Sattelfreies“ oder „Freibauerngut“ mit Guntherus als Besitzer war.  1445 wird aus dieser Familie ein Hans Reuß zu Leckwitz erwähnt, der in der Pflege Oschatz diente. Mit dem Namen „Pflege“ ist das Land um Oschatz gemeint, ähnlich der heutigen Lommatzscher Pflege. Der Nachkomme der Familie Reuß könnte sich in einem der Rittergüter als Landsknecht verdingt haben. Spätestens mit der Lehensvergabe durch das Rittergut Groben standen die „Reußner Bauern“, auch das heutige Unterreußen mit eventuell noch sorbischen Wurzeln, direkt unter deutscher Gerichtbarkeit und Abgabepflicht. Reußen wechselte dann auch oft mit seinen Besitzern den Namen (1334 Rysen, 1474 Reissen, 1520 Reysa und 1594 Oberreyssen) – es wurde jedoch immer nur von Reußen gesprochen obwohl das heutige Unterreußen 50 Jahre später schon einen „eigenen“ Besitzer hatte und das heutige Oberreußen mit seinem Besitzer zum Vorwerk wurde. Dieser Winter brachte sehr viel Schnee. (40)