Nachwort

Dank für die Mitarbeit, Gespräche, Bilder und Dokumente an Frau Theinert, Frau Trapp, Frau Wolf, Frau Hofmann, Stefanie Reinsch, Herrn Trapp, Herrn Tilo Schmidt, Herrn Frank Krauspe, Herrn Björn König und meinem Sohn Olaf für die umfangreiche Zuarbeit an Kartenmaterial, Archivhinweisen und Übersetzung alter handschriftlicher Dokumente.
Nachbetrachtung: Ein kluger Mensch hat einmal gesagt „Wer die Zukunft meistern will, sollte die Vergangenheit kennen“. Die hier beschriebene Geschichte von Reußen gibt dazu viel Anregungen. Sie hat aber leider in der Vergangenheit noch sehr viele Lücken, die es noch zu erkunden und zu schließen gilt.
Wie lange Reußen als reine sorbische Siedlung bestand ist nicht bekannt. In den Kirchenbüchern von Strehla taucht der Name Reußen auch erst im 14. Jhd. auf. Keinen Hinweis gibt es auch darauf, ob es die Hussitenkriege 1434-1440 oder andere Einflüsse waren die den Ort zur Wüstung machten. Von Reußen wurde immer nur als Ganzes gesprochen, obwohl die Namensgebung das heutige Oberreußen betraf.
Da 1456 noch immer von der Wüstung Reußen die Rede war, könnte die Zeit danach die vollständige deutsche Neubesiedlung und eventuell der Wiederaufbau von „Unterreußen“ gewesen sein. Durch mehrere Besitzer des Dorfes wird eine Art „Gemeinschafts- Gerichtsbarkeit“ bis zur Einführung der Kurfürstlichen Ämter 1550 praktiziert. Die Gerichtsbarkeit seit der deutschen Wiederbesiedlung im 9. Jh. hatte ihren Ursprung in der römischen Gerichtsbarkeit seit der Sklavenzeit und wurde von den deutschen Herrschern, vereinfacht gesagt, zu ihren Gunsten modifiziert. Ein markanter Teil dieser Anpassung war ein Privileg zu „Gunsten“ der Bauernschaft. Den Dörflern wurde ein gewisses Maß an „Dummheit“ zugestanden, welches in der Rechtsprechung mildernd zu berücksichtigen sei. Ausgenommen die Gotteslästerung sollte mit voller Härte geahndet werden. Dieser Passus wurde auch noch 1748 in der Universität Leipzig und 1780 durch die preußische Universität Halle in „Grundsätzen des Dorf- und Bauernrechts“ publiziert. Für Interessierte wurden im Text verwendete Begriffe zum Bauernrecht, nicht mehr ermittelbaren Besitzformen unserer Bauerngüter und einigen unzumutbaren Diensten noch einmal als Anlage 3 zusammengefasst.
Bereits 1800 aber verfügte der größte Teil der Landbevölkerung über Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben. In einer Aussage der Amtshauptmannschaft Meißen wird erklärt, dass der Wunsch zu Lesen für einen großen Teil der Landbevölkerung „zu einem wirklichen Bedürfnis geworden“ sei. Bestätigt wurde das auch von Ämtern aus der Oberlausitz und Mittweida. Die umfangreichen geschichtlichen, privaten und gerichtlichen Dokumente geben schon mehr Einsicht in die Lebensverhältnisse der Dorfbewohner.
Um die momentane Klimadebatte etwas zu sensibilisieren wurde auch ein Teil der Wetterunbilden, denen die Menschen damals ausgesetzt waren, mit in dieser Geschichte beschrieben. Es ist für uns heute schwer vorstellbar, auch mangels an konkreten Zahlenwerten, was diese Katastrophen für Ausmaße für die Menschen hatte. Eine Frage drängt sich in diesen Zusammenhang auf, hatten die Menschen Schuld an diesen Wetterlagen? Eine Studie im Fachblatt „Sciene“ aus USA und Großbritannien sagt aus, das es in der Erdgeschichte ca. 41% Warmphasen mit mittleren Temperaturen zwischen 25 und 36 Grad gab und kältere Phasen zwischen 11 und 22 Grad nur 1/3 der Gesamtzeit ausmachten. Es wird aber auch betont, dass sich die Erde heute, „Menschengemacht“, schneller erwärmt als in den vergangenen 485 Millionen Jahren. In der Bekämpfung der Erdaufwärmung geht Deutschland ja momentan mit übergutem Beispiel voran. Inzwischen ist man bei den Extremwetterlagen zu der Einsicht gelangt, dass es kein Phänomen dieser Zeit ist. Über die Häufigkeit lässt sich allerdings angesichts alter Aufzeichnungen auch streiten.
Alles in dieser Geschichte Beschriebene ist hoffentlich nur ein Anfang, der ständig ergänzt, verbessert und weitergeführt werden sollte. Für mich ist das Suchen nach weiteren Fakten dazu inzwischen zum Hobby geworden und ich bin gern bereit, einen nachfolgenden „Dorfchronisten“ so lange es geht aktiv zu unterstützen.