Vorwort
Es soll ein Exkurs durch die Deutsche und speziell die „ Sächsische Geschichte“ sein, um die, Lebensbedingungen, auch in unserem Dorf nachvollziehbar darzustellen. Da die Datenlage bis Ende des Mittelalters sehr dünn ist wäre es vermessen von einer Chronik über Reußen zu reden. Alle Fakten aus dieser Zeit lassen sich nur spekulativ auf Reußen eingrenzen und sind der allgemeinen Geschichte und Chroniken von umliegenden Orten übernommen.
Eine andere Datenlage ergab sich ab 1550 mit der Einführung der „ Sächsisch Kurfürstlichen Verwaltung“ durch die Dokumentation der Gerichtsbarkeit der Landbesitzer. An Hand von solchen Gerichtsdokumenten und Familienchroniken aus dem Dorf konnte ich das Leben im Dorf mehr und mehr, vor allem für die heutigen Besitzer der ehemaligen Bauerngehöfte, bis 1850 darstellen und in den Anhängen darstellen.
Ab 1850, soweit nicht in den Familienchroniken ersichtlich, ist die Gerichtsbarkeit, Geburt, Heirat und Sterben öffentlich nur an Hand von Zeitungsartikeln oder in den Kirchenbüchern nachvollziehbar. Ab 1895 sind auch wieder Einwohnerverzeichnisse teilweise verfügbar. Bei meinen Ausführungen bin ich aber nicht von Jahreszahlen abgewichen, um den Einfluss der allgemeinen Geschichte, der sächsischen Geschichte im Besonderen und den Naturereignissen auf das Leben der Bewohner im Dorf darzustellen.
Seit der Entstehung von Reußen und der umliegenden Dörfer Großrügeln und Oppitzsch bis ins 20. Jhd. war das Leben von Ackerbau und Viehzucht geprägt. Von der Vorgeschichte bis zu ersten konkreten, aber sehr wenigen Aufzeichnungen zu den Einwohnern bis zum Hochmittelalter musste ich mich an Dokumentationen der Archäologie, zeitgeschichtlicher Literatur und Chroniken orientieren. In den Dörfern wurden Einzelfunde aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) 10000 bis 2200 v. Chr., Flachgräber aus der Bronzezeit 3300- 1200 v.Chr., Siedlungshinweisen und Gräber aus der Frühbronzezeit 2200- 1600 v. Chr. gefunden. Im Gebiet des heutigen Unterreußen waren es „Erdwerke“ als Siedlungsformen unbekannter Herkunft. Das heißt, auf Grund fehlender Alltagsgegenstände konnte die Besiedlung keiner Zeitepoche zugeordnet werden. „Erdwerke“ waren Wallanlagen aus in Gräben eingegrabenen Holzpalisaden, mit denen man sich vor Wild und Feinden schützen wollte.
Erste Siedler unserer Gegend war der Sueben Stamm der Hermunduren , Nomaden und Jäger aus den östlichen Gebieten der Elbe. Die Menschen verehrten Naturgötter, wie Thuran, eine Göttin der Etrusker auf dem Dürrenberg oder Odin, der Göttervater der Asen, auf dem Ottenberg. Sie wanderten im Zuge der großen Völkerwanderung im 5. Jhd. auf den schon vorhandenen Handelswegen nach Westen ab. Aus Südosten rückten die slawischen Stämme der Daleminzier nach und gründeten ab dem 6. Jh. die noch heute bestehenden Orte in unserer Gegend. In den Chroniken von Strehla und Gröba wird auf eine Besiedlung durch slawische Stämme um 550 verwiesen. Obwohl es Strehla noch nicht gab kreuzten sich wichtige Handelswege in Nord-Süd und West-Ost Richtung begünstigt durch eine Furt. Ab 620 besiedelten aus Böhmen kommenden Stämme der Daleminzier unsere ganze Gegend. Ein Grund für die Abwanderung könnte, neben ständigen Kriegen und den Wetterunbilden, auch die Christianisierung in Böhmen gewesen sein. In den Nebentälern der Elbe fanden sie unbesiedeltes Land mit Wasser, Wald, Wild und Weideland, was schon immer gute Bedingungen für eine Besiedlung waren.
Der christliche Glaube hat sie erst mit der Rückeroberung und deutscher Besiedlung ab dem 10. Jhd. in unsere Gegend eingeholt. Das Land wurde vom Kaiser an Kirche und Adel vergeben, die es zur Bewirtschaftung gegen hohe Abgaben und Leistungen als Lehen an die Bauern weiter vergaben. Der Machtanspruch über das Land führte unter den Landbesitzern und auch länderübergreifend, sowohl weltlich als auch kirchlich, immer wieder zu Kriegen. Diese Kriege brachte den Bauern über die Jahrhunderte nichts als Hunger, Leid, Zerstörung und Tod.
All das versuche ich, an Beispielen aus dem Dorfleben und in Zusammenhang mit unserer sächsischen Geschichte zu beschreiben. Leider wurde mehr über das Leben des Klerus und Adels als über das einfache Leben der Bauern geschrieben. Es ist aber nicht die große Geschichte des Adels dieser Zeit, die wegen ihres angehäuften Prunks oder Kriegsgewinnen unserer Bewunderung bedarf, sondern die Geschichte der einfachen Menschen, die durch ihrer Hände Arbeit die Voraussetzungen dazu geschaffen haben. Der Bauer dagegen war machtlos gegenüber allen diesen aufgezwungenen äußeren Einflüssen. Meine Informationen habe ich aus dem Internet, zeitgeschichtlicher Literatur und Chroniken umliegender Ortschaften. Besonders aus mehreren Chroniken über Strehla, der „Beschreibung des Amtes Oschatz“ mit detaillierten Beschreibungen der Dörfer um 550 sowie anderer Ortschroniken konnte ich Daten und Fakten zu Reußen, Großrügeln und Oppitzsch ermitteln und in diese Geschichte einbauen. Ich erhebe weder Anspruch auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit meiner Ausführungen und bin über jede Berichtigung, weitere Anregung, Ergänzungen dankbar um auch ständig zu aktualisieren
H.-J. Hager